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Trage

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Patient auf einer Fahrtrage

Trage, vulgo auch Tragbahre, bezeichnet eine Vorrichtung, mit der eine nicht gehfähige Person in zumeist liegendem Zustand von – je nach Ausführung – einem oder mehreren Helfern transportiert werden kann. Verwendung finden Tragen insbesondere im Rettungsdienst und Katastrophenschutz, aber beispielsweise auch im Sanitätswesen des Militärs. Dort dienen sie zur einfachen und dennoch schonenden Verlegung von Patienten. Tragen, die mit einem Fahrgestell ausgestattet sind, werden auch Fahrtragen genannt.[1]

Das Wort Bahre bezeichnet speziell ein Gestell, auf dem Tote transportiert und aufgebahrt werden (Totenbahre); umgangssprachlich wird es oft auch im Sinne von Trage gebraucht.

Ziviler Rettungsdienst

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Stryker-Trage

Moderne Tragen verfügen in der Regel über ein abnehmbares Fahrgestell (mit Rollen versehen), welches die Fortbewegung der Trage durch nur einen Helfer ermöglicht und die körperliche Belastung für die Helfer verringert. Zum Transport über Stiegen oder in unwegsamem Gelände sind jedoch nach wie vor stets mehrere Personen nötig. Generell sind Tragen dazu mit vier Haltegriffen für die Helfer versehen.

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Beispiel für Nutzung im militärischen Sanitätsdienst: Sanitäter mit einem Patienten auf der Trage bei Passchendaele, August 1917 im Ersten Weltkrieg

Im modernen Rettungsdienst müssen Tragen nicht nur gesteigerten Ansprüchen an die Robustheit des Materials, sondern auch an den Komfort und die Sicherheit des Patienten genügen. Diese Tragen sind generell mit Polstermaterial versehen und erlauben auch die zusätzliche Verwendung einer Vakuummatratze oder anderer Immobilisationssets. Unterschiedliche Gurte tragen zur Sicherheit des Patienten beim Transport bei. Zudem muss die Möglichkeit gegeben sein, den Kopfteil gegenüber dem Rumpf des Patienten erhöht zu lagern. Nach Möglichkeit soll das Fahrgestell durch unterschiedliche mögliche Stellungen verschiedenen typischen Situationen gerecht werden, etwa der Patienten-Umlagerung, der Bekämpfung eines Volumenmangelschocks durch Hochlagerung des Fußendes etc. Des Weiteren gibt es für viele Tragen zusätzliche Infusionsständer oder auch Gerätehalterungen für Defibrillatoren, Beatmungsgeräte, Spritzenpumpen etc.

Wichtig und innerhalb Deutschlands durch Ländergesetze vorgeschrieben ist die bedarfsgerechte Desinfektion und Reinigung der Trage. Nur durch die Umsetzung der entsprechenden Hygienemaßnahmen können Schädigungen des nächsten Patienten vermieden werden.

Normen

Es gibt für manche Bereiche genormte Ausführungen von Tragen, so schreibt die DIN 13024 die Basisanforderungen an Krankentragen im Zivil- und Katastrophenschutz vor. Dies erhöht die überregionale Kompatibilität des Hilfsgeräts der Einheiten. Tragen für militärische Sanitätsdienste entsprechen der Norm STANAG 2040. Fahrtragen sollen den Europäischen Normen EN 1789 und EN 1865 entsprechen.

Die EN 1865 schreibt u. a. gängige Mindestanforderungen für die Konstruktion von Krankentragen und andere Krankentransportmittel vor, die in Kranken- bzw. Rettungswagen für die Behandlung und den Transport von Patienten eingesetzt werden. Gleichzeitig legt die EN 1789 die Anforderungen, Prüfung und Ausrüstung für den Transport und die Sicherheit von Patienten fest.

Wesentlicher Bestandteil der EN 1789 ist ein dynamischer Crashtest, bei dem das Fahrtragensystem mit einer Beschleunigung von 10g in jeder Richtung, vor-, rück-, seitwärts und senkrecht, geprüft wird. Die Sicherheit des Patienten soll so im Falle eines Unfalls des Rettungswagens gewährleistet sein. Die Prüfung der Fahrtragen hinsichtlich des Verhaltens im Falle eines Crashs erfolgt mithilfe eines Rollwagens, der auf ca. 32 km/h beschleunigt und mit einer Verzögerungseinrichtung abgebremst wird. Die auftretende g-Kraft während der Verzögerung stellt hohe Anforderungen an das Tragensystem dar. Die Bilder zeigen den Prüfaufbau und die Fixierung der Fahrtragen auf dem Rollwagen.

Wenn eine Fahrtrage den Test besteht, ohne die Parameter des Prüfaufbaus zu verletzen, und nicht die Halterung verlässt, hat sie den dynamischen Test nach EN 1789 bestanden.

Andere Formen

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Kombitrage
  • Für die schonende, patientengerechte Rettung und Umlagerung von Traumapatienten (verletzte Personen, insbesondere bei Verdacht auf Wirbelsäulentrauma) kommen Schaufeltragen zum Einsatz.
  • Sogenannte Kombitragen vereinen Schaufeltrage und Tragstuhl. Eine solche Trage kann sowohl im ausgestreckten als auch im geknickten Zustand geteilt werden. Somit können Patienten sitzend aufgenommen und transportiert werden.

Hersteller

Bekannte Hersteller von Tragen für den Rettungsdienstbedarf sind unter anderem die Firmen Ferno, Stryker sowie Stollenwerk oder auch Pensi Rescue aus Finnland.

Geschichtliche Entwicklung in Deutschland

Als mit der Bildung von Löschmannschaften in Form von Pflichtfeuerwehren am Anfang des 19. Jahrhunderts deren Rechte und Pflichten festgelegt wurden, gab es auch Anordnungen zur Handhabung von Tragen. So hatte der Ortsvorstand eine Abteilung rüstiger Männer auszuwählen, welche „unter eigenen Anführern steht, und zum Retten von Menschen, Hausthieren und Effecten bestimmt ist“. Diese Mannschaft hatte sich, „soviel thunlich, mit starken, besonders an den Handhaben gut befestigten geflochtenen Körben, Rettungsschläuchen, Tragbahren, Zubern, Seilen und Brechwerkzeugen“ zu versehen, um Rettungsmaßnahmen durchzuführen. Beispielsweise erließ das Herzogtum Nassau im November 1826 eine solche Verordnung.[2]

Militärisches Sanitätswesen in Deutschland

Bayern

Feld-Tragbahre

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Bayerische Feld-Tragbahre

Vor und während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 nutzten die bayerischen Streitkräfte die Feld-Tragbahre. Diese konnte zerlegt werden und bestand aus zwei Tragestangen, zwei Querteilen und einem Überzug. Der Überzug bestand aus einem am Kopf- und Fußende offenen Sack aus verstärktem Leinen. Zum Zusammenbau wurde der Überzug über die Tragestangen gezogen. Danach wurden die Tragestangen in spezielle Löcher an den Querteilen eingesteckt. Da sich der Transport der Trage auf den Wagen hinter den Truppen als unzweckmäßig herausstellte, transportierten die vier Krankenträger jeder Kompanie die zerlegte Trage „am Mann“. Im Allgemeinen bewährte diese Trage sich in den bayerischen Streitkräften sehr gut. Lediglich bei längerem Gebrauch bildete sich am Überzug eine Mulde, welche die richtige Lagerung des Verwundeten erschwerte.[3.1] Ein weiterer Nachteil war die Breite der Querteile, die relativ weit über die Trage hinausragten, wodurch das Tragen für die Krankenträger unkomfortabel war.[3.2]

Preußen

Strohsacktrage (1789)

Die ersten preußischen Tragen, über die es seit 1789 schriftliche Berichte gibt, waren die Strohsacktragen. Die Strohsacktrage war ein 2 m langer und 1 m breiter Strohsack. Bis zum Jahr 1830 bestand sie aus Zwilch, ab 1831 aus Leinen. Um sie für die Beförderung von Kranken und Verwundeten nutzbar zu machen, versah man sie ab 1866 an jeder Längsseite mit drei Gurtschlaufen zum Durchstecken von Tragestangen.[4.1] Waren es am Anfang noch provisorische und selbst hergestellte einfache Stangen, kamen ab dem Jahr 1869 verbesserte und stabilere Tragestangen in Gebrauch. Im Jahr 1902 wurden sie weiter vereinheitlicht. Im Jahr 1869 wurde versuchsweise zwischen dem Mittelgurt und den Endschlaufen ein weiteres Paar Schlaufen angebracht, um das Kopfende besser anheben und den Oberkörper des Kranken in eine bessere Lage bringen zu können.[4.2]

Krankentrage 1814

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Krankentrage 1814

Durch die Allgemeine Kabinettsorder vom 9. März 1814 erhielten die zur Fortbringung der Verwundeten vom Schlachtfelde zu errichtenden Kompanien neben 30 Tragesesseln und 50 Paar Krücken auch 15 neuartige Krankentragen nach einem Vorschlag des Generalstabschirurgen Johann Goercke. Diese neuartige Krankentrage bestand aus einem Sack aus Zwillich, welcher durch zwei an den Längsseiten eingeschobene hölzerne Tragestangen getragen werden konnte. Durch zwei eingehakte Querstäbe aus Eisen wurde der Sack dann gespannt. Für jede Krankentrage 1814 gab es zwei Tragegurte, welche den Transport durch die Verteilung der Last auf die Schultern erleichtern sollten. Weiterhin war es möglich, die Trage so zu verlängern,[4.2] dass sie durch Esel, Maultiere oder andere Zugtiere mit langsamen und vorsichtigen Schritten gezogen werden konnte. Im Jahr 1834 wurde diese Krankentrage mit Säcken und Tragegurten durch Dienstvorschriften offiziell in den Bestand der Feldlazarette eingeführt. Insgesamt wurden die drei leichten Feldlazarette des preußischen Armeedepots mit 27 Tragen ausgerüstet. Damit verfügte jede fahrende Chirurgenabteilung über sechs und jedes Depot über drei Tragen.[4.3]

Krankentrage 1832

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Krankentrage 1832

In den folgenden Jahrzehnten gab es Verbesserungsversuche. Als Missstand wurde vor allem die flache Form der Krankentrage 1814 empfunden, da das Absetzen auf den unebenen Erdboden mit oftmals schmerzhaften Lageveränderungen der Verwundeten verbunden war. Auch war für die Ärzte die Versorgung in einer stark gebeugten Stellung sehr ermüdend und beschwerlich. Man entschloss sich deshalb, an den Tragen Füße anzubringen, welche an den eingeschobenen Tragestangen angeschraubt werden konnten. Diese neue Konstruktion bewährte sich jedoch nicht, da die einzelnen Teile oftmals verloren gingen oder vertauscht wurden. Zudem hatten die Schlaufen zum Durchstecken der Tragestanden unterschiedliche Durchmesser; dadurch ließen sich die dicken Tragestangen nur selten verwenden, und die dünnen waren zu wackelig und instabil,[4.3] so dass die Trage beim Abstellen keinen festen Halt fand.[4.4]

Krankentrage 1853

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Krankentrage 1853

Um dem Mangel aufgrund der uneinheitlichen Durchmesser von Schlaufen und Tragestangen Abhilfe zu schaffen, erhielt die Trage im Jahr 1853 einen festen Rahmen, welcher sich nicht mehr auseinandernehmen ließ. Unter diesem Rahmen brachte man nun feste Füße an, welche ebenfalls nicht mehr abgenommen werden konnten. Zusätzlich erhielt die Trage ein bewegliches Kopfgestell aus Eschenholz. Doch auch diese Trage erfüllte zunächst noch nicht die Erwartungen. Die Verbindung des beweglichen Kopfgestells mit den Tragestangen erwies sich als zu schwach und brach oft ab, so dass man diesen Abschnitt verstärken musste. Zudem bestanden die Liegefläche und der Überzug für das Kopfgestell aus einem Stück, was zu dem Problem führte, dass dieser Überzug sich bei Nässe zusammenzog, wodurch das Kopfgestell angehoben wurde.[4.4]

Ebenfalls als problematisch erwies sich die Unterbringung der Trage im Krankenwagen wie dem Krankenwagen 1831. So glitten die festen Füße nur sehr schlecht über den Wagenboden und vibrierten stark beim Verschieben, was für die darauf liegenden Verwundeten sehr unangenehm war. Versuche, diese Probleme mit Rollen zu beheben, misslangen; sobald diese mit Sand oder Erde in Berührung kamen, wurden sie unbrauchbar.[4.5]

Krankentrage 1860

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Krankentrage 1860

Nach weiteren Versuchen, die Krankentrage 1853 zu verbessern und den Gegebenheiten anzupassen, wurde im Jahr 1860 die Krankentrage 1860 eingeführt. Diese hatte einen Überzug aus Zwilch,[4.4] welcher hier ebenfalls für die Liegefläche und ein Kopfgestell genutzt wurde. Die wichtigste Änderung war, dass die Liegefläche und das Kopfgestell voneinander getrennte Überzüge hatten. Für ein angenehmeres Liegen konnte das Kopfgestell mit Heu oder Seegras gepolstert werden. Auch wurden die bis dahin genutzten geraden Querstäbe durch gebogene ersetzt. Damit konnte der Überzug leicht nachgeben und es kam zu einem angenehmeren Liegegefühl. Diese neuen Krankentragen wurden sowohl zum Tragen von Kranken als auch als Lagerstätte in Krankenwagen verwendet. Damit entfiel das umständliche Umlagern der Kranken und Verwundeten von einer Trage auf eine andere.[4.5]

Die Tragestangen wurden am Fußende verlängert, so dass in einem Krankenwagen dazwischen ein Leichtverwundeter Platz finden konnte. Im Jahr 1863 wurden die Tragestangen auch am Kopfende verlängert, damit die Krankenträger beim umgelegten Kopfgestell nicht daran anstießen. Bei der Einführung des Krankenwagens 1854 zeigte sich, dass die Krankentragen nicht mehr hinein passten. Speziell für diese Wagen wurden Tragen mit umklappbaren Griffen angefertigt. Mit der Aussonderung der Krankenwagen 1854 im Jahr 1872 fielen die umklappbaren Griffe wieder weg.[4.5]

Im Laufe der Zeit wurden immer wieder Änderungen an der Trage vorgenommen. Waren die Tragestangen für den Kranken am Anfang noch gepolstert, wurde diese Polsterung komplett durch Schutzklappen ausgetauscht, die man über dem Verwundeten zusammenbinden konnte. Der Überzug aus gewöhnlichem Leinen wurde durch wasserdichten dunklen Stoff ersetzt, welcher aus dem Artillerie-Depot Spandau stammte. Damit zog Blut nicht mehr in das Gewebe der Tragen ein und konnte leicht abgewaschen werden.[4.5]

Zusammenlegbare Krankentrage 1866 / 1866/78

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Zusammenlegbare Krankentrage 1866

Um beim Transport ohne Kranke oder Verwundete Platz zu sparen, wurden verschiedene Versuche mit zusammenlegbaren Krankentragen unternommen. Diese führten im Jahr 1866 zur Einführung der Zusammenlegbaren Krankentrage 1866. Dabei erhielt jeder Medizinkarren 1861 zwei dieser Krankentragen, die zusammengeklappt in der Schoßkelle unter dem Wagen verstaut werden konnten. Da der Überzug oftmals mit Blut und Dreck verschmutzt war und sich nur sehr schwer reinigen ließ, wurde die Zusammenlegbare Krankentrage 1866 versuchsweise mit schwarzer, speziell präparierter Segeltuchleinwand ausgestattet. Diese Trage kam während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 zum Einsatz. Dabei standen auf jedem Medizinwagen oder -karren zwei dieser Tragen zur Verfügung. Auf den Gepäckwagen der Batterien und Infanterie-Einheiten wurde je eine Trage mitgeführt.[3.3] Da das Gewebe aber schnell brüchig wurde, ersetzte man es im Jahr 1875 durch braun gefärbtes Segeltuch.[4.5]

Bei der Nutzung stellte sich heraus, dass die Zusammenlegbare Krankentrage 1866 zu schwach gebaut war. Deshalb wurden die Gelenkbänder verstärkt, verlängert und eine stabilere Befestigung gewählt. Das vorher verwendete Eschenholz wurde durch astfreies Ulmenholz ersetzt. Daraus entstand die Zusammenlegbare Krankentrage 1866/78. Sie hatte eine Breite von 62 cm, wovon 57 cm als Platz für den Verwundeten zur Verfügung standen. Jede Tragestange war 2,50 m lang; dabei hatte die Liegefläche eine Länge von 1,99 m, und die Kopflehne nahm eine Länge von 45 cm ein. Ungeachtet einiger Vorteile war die Krankentrage für die damaligen Krankenwagen zu breit. Die Verwundeten mussten deshalb immer auf eine andere Trage umgelagert werden, bevor sie auf die Krankenwagen verladen werden konnten. Dieser Missstand konnte erst im Jahr 1913 behoben werden.[4.6]

Krankentrage 1867

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Krankentrage 1867

Im Jahr 1867 wurde eine neue Trage mit einigen Änderungen gegenüber den Vorgängern zur Erprobung herausgegeben. Bei dieser Krankentrage 1867 bestanden die Füße ganz aus Metall, wodurch sie langlebiger waren und sich beim Abstellen auf nassem Untergrund nicht mehr mit Wasser vollsogen. Unter den Tragestangen wurde eine Öse zur Befestigung der Trage auf einem Krankentragen-Rädergestell angebracht. Bei weiteren Tests erwies sich der wasserdichte Stoff als ungeeignet. Er wurde schnell hart und brüchig, so dass die Trage nicht mehr genutzt werden konnte. Man experimentierte mit zahlreichen anderen Stoffen und wählte schließlich ein braun gefärbtes Segeltuch der Firma Bodewig aus Köln aus, das am besten abschnitt und 1875 offiziell eingeführt wurde.[4.5]

Gleichzeitig verbesserte man die Stabilität der Tragen. Hierzu verband man zwei gegenüberliegende Füße mit einem eisernen Stab. Die Beschläge der Füße wurden so abgeändert, dass sie die Tragestangen umschlossen, so dass in diesen keinerlei Bohrungen mehr notwendig waren. Die Füße selbst bestanden aus Flacheisen.[4.5]

Deutsches Kaiserreich

Krankentrage 1891

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Krankentrage 1891

Diese Trage ähnelte der Krankentrage 1867. Die Füße bestanden allerdings nicht mehr aus Flacheisen, sondern aus stabileren Winkeleisen. Die Firma Dittmann fertigte zudem Tragestangen aus Winkeleisen an, in die sich die lose in Gleitschienen laufenden Handgriffe aus Holz einschieben ließen.[4.5]

Krankentrage 1895

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Krankentrage 1895

Als im Jahr 1895 der Krankenwagen 1895 mit einem kurzen Wagenkasten eingeführt wurde, mussten die Tragen kürzer gestaltet werden. Auch hier musste die Firma Dittmann Änderungen am vorherigen System vornehmen. So wurden die Griffe dahingehend abgeändert, dass sie an die Innenseite der Tragestangen eingeklappt und zum Einschieben im Krankenwagen gesichert werden konnten. Damit konnte die Trage von 1,95 m auf 2,50 m verlängert werden. Zusätzlich wurden die vorherigen hölzernen Tragestangen durch eiserne ersetzt, die Griffe blieben aus Holz.[4.7]

Kavallerie-Sanitätstrage 1907

Vom grundsätzlichen Aufbau war die Kavallerie-Sanitätstrage 1907 ähnlich der Krankentrage 1895. Hier wurden jedoch die Winkeleisen aus viereckigem Mannesmannrohr gefertigt. Dadurch passten die Tragen genau in den Kavalleriesanitätswagen. Die Füße und Verbindungsstangen der Tragestangen waren entweder genietet oder nahtlos geschweißt.[4.7]

Nottrage 1907

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Nottrage 1907

Im Jahr 1907 wurde eine Nottrage eingeführt. Sie bestand aus einem Überzug aus braunem Segeltuch mit einer Länge von 1,80 m und einer Breite von 0,64 m. Der Überzug hatte an den Längsseiten Hohlsäume zum Durchstecken von je zwei Tragestangen.[4.8]

Zusammenlegbare Krankentrage 1913

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Zusammenlegbare Krankentrage 1913

Die Zusammenlegbare Krankentrage 1913 bestand aus Mannesmannrohren mit einem rechteckigen Querschnitt und abgerundeten Ecken. Sie war in zwei ungleiche Teile geteilt, die mit einem starken Gelenk verbunden waren, dessen Drehpunkt unterhalb der Stangen lag. Die Tragestangen wurden durch drei Querstangen aus rundem Stahlrohr zusammengehalten. Die Handgriffe bestanden aus paraffiniertem Eschenholz und ließen sich in die Tragestangen einschieben, wobei sie durch Bolzen in den Endstellungen gehalten wurden. Die Trage selber ruhte auf vier schmiedeeisernen Füßen, welche durch Nieten an den Tragestangen befestigt waren. Das Kopfteil ließ sich durch Zahnstangen und Knöpfe in beliebiger Höhe feststellen. Der Bezug bestand aus braunem Segeltuch.[4.8]

Die Lübecker Sanitätskolonne

Der Fortentwicklung im Sanitätswesen widmeten sich in Lübeck mehrere Militärs außer Dienst. Sie hatten Mängel in den Jahren 1870/71 erlebt und bemühten sich um Verbesserungen. Hierbei taten sich u. a. Johann Gottlob Judersleben und Heinrich Kühne hervor.

Jährlich wurde die Kompetenz der Lübecker Kolonne und deren Entwicklung mit Unterstützung des heimischen Regiments öffentlich mit einer Sanitätskolonnen-Uebung demonstriert.

Auf dem mittleren Bild steht rechts hinter dem hockenden Sanitäter jener Heinrich Kühne. So wurde beispielsweise ein Traggestell entwickelt, das bei der Übung von 1914 – der Transport erfolgte erst per Schiff, dann per Bahn – zuletzt öffentlich in Lübeck zu Friedenszeiten demonstriert wurde. Dieses wusste so weit zu überzeugen, dass die Lazarettzüge und -schiffe in den Ersten Weltkrieg mit Traggestellen des sogenannten Systems Lübeck zogen.[8]

Zweiter Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkrieges nutzte die Wehrmacht im Hochgebirge oder in stark verschneitem Gelände auch Krankentrageschlitten. Dies war ein Skischlitten für Verwundete, der aus einem Paar Skier, einer hälftengleichen Feldtrage mit zwei Gurten und je vier Verbindungsstücken mit Lederriemen und Lenkstützen bestand. Damit wurde eine sichere Verbindung zwischen Trage und Skiern hergestellt. Mithilfe der Lenkstützen konnte der Krankentrageschlitten gelenkt und gebremst werden. Der Krankentrageschlitten war für die Gebirgstruppen eines der wichtigsten und schnellsten Transportmittel für Verwundete und Kranke. Mit einem Gewicht von bis zu 120 kg (beladen) war die Trage gut handhabbar und ließ sich auch mit einer Seilkonstruktion an Gebirgshängen ableinen. Auch konnten bis zu sechs Krankentrageschlitten verbunden und von einem Pferd gezogen werden.[9]

Literatur

  • Wolfgang Fleischer: Feldwagen in Uniform; Wagen, Karren, Schlitten und Ausrüstungen bis 1945. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2022, ISBN 978-3-613-04514-9.
  • Wilhelm Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. August Hischwald, Berlin 1913.
  • Königlich Preußisches Kriegsministerium: Sanitäts-Bericht über die Deutschen Heere im Kriege gegen Frankreich 1870/71. Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1884.
Commons: Stretchers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Trage – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Hebe- und Tragehilfen im Rettungsdienst – Zusammenstellung und Betrachtung wesentlicher Schnittstellen. (PDF; 6,867 MB) In: www.rettungsmedizin-fortbildung.de. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2004, archiviert vom Original am 11. August 2022; abgerufen am 12. März 2024.
  2. Franz-Josef Sehr: Das Entstehen der Pflichtfeuerwehren im Heimatgebiet – Ein staatlicher Versuch zur Brandbekämpfung. In: Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg (Hrsg.): Jahrbuch für den Landkreis Limburg-Weilburg 2024. Limburg 2023, ISBN 3-927006-61-0, S. 230–237.
  3. Königlich Preußisches Kriegsministerium: Sanitäts-Bericht über die Deutschen Heere im Kriege gegen Frankreich 1870/71. 1884.
    1. S. 29.
    2. S. 30.
    3. S. 28.
  4. Wilhelm Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913.
    1. S. 161.
    2. a b S. 162.
    3. a b S. 163.
    4. a b c S. 164.
    5. a b c d e f g h S. 165.
    6. S. 168.
    7. a b S. 167.
    8. a b S. 169.
  5. Sanitätskolonnenübung auf der Palinger Heide. In: Vaterstädtische Blätter. 28. Juli 1907.
  6. Die Übungsfahrt der Sanitätskolonne. In: Von Lübecks Türmen. 30. Mai 1914.
  7. Die Einrichtung des Vereinslazarettzuges. In: Von Lübecks Türmen. 7. November 1914.
  8. Was die Lübecker Zeitungen stolz zu betonen wussten.
  9. Wolfgang Fleischer: Feldwagen in Uniform. S. 180–181.