Josef Maria Schedel

Josef (Joseph) Maria Schedel (* 10. Januar 1856 in Bamberg; † 7. April 1943 ebenda) war ein deutscher Apotheker, Naturforscher und Volkskundler.
Leben

Schedel wurde als unehelicher Sohn des Arztes und Revolutionärs Heinrich Heinkelmann (1807–1866) und der unehelichen Tochter eines Anwalts Justina Wilhelmina Schedel (1837–1857) geboren. Da seine Mutter schon kurz nach seiner Geburt gestorben war, wurde Schedel von einer kinderlosen Wäscherin Josepha Meisner († 1876) erzogen. Er besuchte das Alte Gymnasium Bamberg, das er nach der Mittleren Reife verließ. Anschließend begann er ab 1873 eine Lehre als Apothekerassistent. Früh wurde er sich seiner Homosexualität bewusst.
1880 begann Schedel Studium der Pharmazie und Naturwissenschaften in München. Ab dem darauffolgenden Jahr setzte er sein Studium in Kiel fort, wo er Assistent von August Friedrich Karl Himly wurde. Er wurde Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft Bamberg und gründete bald selbst die „Gesellschaft Naturfreund Bamberg“, die bis 1885 bestand. Nachdem er in Kiel das Staatsexamen abgelegt hatte, verließ er 1884 die Universität. Anschließend war er bis 1886 als Apotheker in Helgoland, Mecklenburg, Charlottenburg, Lörrach und Kiel tätig.
1886 emigrierte Schedel über Indien nach Japan, um als Assistent bei der britischen Apotheke Japan Dispensary Brett & Co in Yokohama zu arbeiten. 1891 übernahm er diese Apotheke und wandelte sie in die „Deutsche Apotheke“ um, die erste Apotheke ihrer Art in Japan. In Japan wurde er Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens. Er stellte in Yokohama Otto Vollbehr als Apothekerassistent ein, der Schedel 1897 wegen seiner Homosexualität erpresste, um seine finanzielle Situation zu verbessern. Da Schedel der deutschen Konsulargerichtsbarkeit unterstand, war er von der Verfolgung durch § 175 Strafgesetzbuch (Strafbarkeit der männlichen Homosexualität) bedroht. Er legte daraufhin auf Empfehlung eines mit ihm befreundeten Gesandten die deutsche Staatsangehörigkeit nieder und nahm die japanische Staatsbürgerschaft an. Während seiner Zeit in Yokohama widmete er sich neben seinen Tätigkeiten als Apotheker naturwissenschaftlichen Sammlungen.
1899 kehrte Schedel über Amerika nach Deutschland zurück, blieb aber Eigentümer der Apotheke in Yokohama, um sich eine mögliche Rückkehr nach Japan offen zu halten. In München gründete er 1902 die erste bayerische Sektion des Wissenschaftlich-humanitären Komitees, das sich für die Abschaffung der Strafbarkeit der männlichen Homosexualität einsetzte. Bei der Gründung der Sektion in Schedels Wohnung waren Magnus Hirschfeld, Wilhelm Walloth, August Fleischmann und Alfred Schuler anwesend. Von 1906 bis 1907 war Schedel Obmann des Subkomitees. Ab 1900 betrieb Schedel in München eine Drogerie, die er jedoch 1902 wieder schließen musste. Anschließend war er als „Reiseapotheker“ vornehmlich in Ober- und Niederbayern tätig. Im Zuge der Harden-Eulenburg-Affäre löste sich die Münchner Ortsgruppe des Wissenschaftlich-humanitären Komitees 1908 auf, da aufgrund dieser Ereignisse „auf absehbare Zeit für die Sache der Homosexuellen in Deutschland nichts mehr zu erreichen“ sei. Schedel blieb Ansprechpartner für das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee, und ihm wurde die Bibliothek des Komitees übergeben. Zudem hielt er Vorträge über seine Erlebnisse in Japan.
1909 reiste Schedel über Sibirien nach China aus, um in Tianjin, Peking und Beidaihe als deutscher Apotheker zu arbeiten. In China sammelte er Weichtiere, von denen er Proben an europäische Institutionen wie das Oberösterreichische Museum in Linz schickte. Er litt allerdings unter seiner sich verschlechternden Gesundheit und unter schlechten Arbeitsbedingungen. Nach dem Ausbruch des Erstens Weltkriegs und der Kriegserklärung Chinas an Deutschland 1917 verschlechterte sich die Situation der Deutschen in China zusätzlich. Nachdem Schedel an einem schweren Nervenleiden erkrankt war, entschied er sich 1922 für die Rückkehr nach Deutschland. Dort nahm er wieder Kontakt zu Magnus Hirschfeld und Adolf Brand auf. Er setzte sich im Bürgerspital Bamberg zur Ruhe und verbrachte dort die beiden letzten Jahrzehnte seines Lebens.
Schedel war Sammler von naturkundlichen Objekten und Kunstgegenständen insbesondere aus dem ostasiatischen Raum, die er teilweise schon zu seinen Lebzeiten öffentlichen Einrichtungen in und außerhalb Bambergs zur Verfügung stellte. Er war über 50 Jahre lang Mitglied der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft. Er war Vorsitzender des Herausgeberkreises der Monatsschrift für Kakteenkunde. 1923 wurde ihm die Medaille „Bene merenti“ der Bayerischen Akademie der Wissenschaften verliehen, nachdem er viele seiner Objekte dem Museum für Völkerkunde München geschenkt hatte. Seinen umfangreicher Bestand an Büchern über Japan und China sowie zur Sexualwissenschaft überließ er nach seinem Tod der Staatsbibliothek Bamberg. Seine von 1873 bis 1941 verfassten Tagebücher überließ er überarbeitet dem Stadtarchiv Bamberg. Viele seiner gesammelten Bücher wurden Anfang der 1950er-Jahre von der Staatsbibliothek Bamberg in den Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek in München überführt.
Literatur
- Robert Zink: Joseph Schedel (1856–1943). Ein Bamberger als Apotheker und Sammler in Ostasien (Ausstellungen des Stadtarchivs Bamberg, 4). Bamberg: Stadtarchiv, 1988.
- Marita Keilson-Lauritz und Friedemann Pfäfflin: 100 Jahre Schwulenbewegung an der Isar. München, 2003.
- Markus Holzammer: Der Apotheker Joseph Schedel – Tagebücher aus Japan (1886–1899) und China (1909–1921). Stuttgart: Franz Steiner, 2003.
- Hartmut Walravens: Joseph Schedel (1856–1943): Ein deutscher Apotheker in Ostasien. Berlin, 2008.
- Bernd-Ulrich Hergemöller: Mann für Mann: biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und mannmännlicher Sexualität im deutschen Sprachraum. Berlin/Münster: Lit, 2010: S. 1027.
Weblinks
- Klaus van Eickels: Das Leben des Bamberger Apothekers Joseph Maria Schedel. In: staatsbibliothek-bamberg.de. 14. Januar 2025.
- Joseph Maria Schedel, Apotheker. In: Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schedel, Josef Maria |
| ALTERNATIVNAMEN | Schedel, Joseph Maria |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Apotheker, Naturforscher und Volkskundler |
| GEBURTSDATUM | 10. Januar 1856 |
| GEBURTSORT | Bamberg |
| STERBEDATUM | 7. April 1943 |
| STERBEORT | Bamberg |