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Jonas Bitner

Jonas Bitner (* 1529 in Straßburg; † 1590) war ein evangelischer Lehrer und Dramenübersetzer.

Leben

Bitner erhielt in Straßburg eine städtisch-evangelische Schulausbildung. Er wurde 1548 vom humanistischen Schulreformer Johannes Sturm als Lehrer an das von diesem gegründete Straßburger Gymnasium berufen und war dort bis 1589 tätig, 1574 trat er zudem dem Straßburger Visitatoren-Kollegium bei.[1] Bitner beteiligte sich rege an der Straßburger Schulpolitik, die, ausgehend von Johannes Sturms Reformen, von konfessionellen Differenzen und Umbrüchen geprägt war. Nachdem das Straßburger Gymnasium 1566 zur Akademie ernannt worden war, verfasste Bitner ein deutschsprachiges Gutachten, in dem er für die neue Akademie eine Verfassung skizzierte (Einfaltig Bedencken von der neuen Academia in der Stadt Strassburg anzurichten).

Werke

Lateinische Unterrichtswerke

Bitner verfasste mehrere lateinische Lehrwerke und ließ Unterrichtsausgaben lateinischer Klassiker drucken. Sein pädagogisches Schaffen war auf den schulischen Spracherwerb ausgerichtet. Folgende Werke sind von ihm verfasst oder herausgegeben worden:

  • De grammatica und De syntaxi, zwei lateinische Sprachlehrbücher (beide 1550 in Straßburg gedruckt). Der Lehrstoff wird dialogisch im Gespräch mit zwei Schülern aufbereitet. Aus dem Widmungsschreiben sind diese als die Söhne des Widmungsadressaten Johann Wilhelm von Loubenberg, Burgherr von Wagegg, erkennbar.[2][3]
  • Dialogi duo […] de ratione construendi, ein weiteres dialogisches Lehrbuch, diesmal mit abstrakten Figuren (Straßburg 1584).
  • eine von Bitner herausgegebene lateinische Fassung der Fabeln Aesops (Straßburg 1573) und der Briefe Ciceros (Leipzig 1703); Letztere übernahm er von Johannes Sturm.

Übersetzungen

Bitner fertigte drei deutschsprachige Dramenübersetzungen aus dem Lateinischen an. Alle drei Texte sind im Kontext des Schul- bzw. Akademietheaters zu verorten, das in Straßburg im 16. Jahrhundert auch in der breiten Bevölkerung erfolgreich war.[4]

  • Der Jephthes ist eine Übersetzung der gleichnamigen Tragödie des schottischen Humanisten George Buchanan. Bitners Version wurde 1569 aufgeführt.[5] Der alttestamentarische Stoff behandelt das Leid eines Vaters, der seine Tochter opfern soll. Das Stück wird 1569 gedruckt und erhält 1582 eine zweite Auflage.
  • Mit Joseph in Ägypten (1583 bei Nikolaus Wiriot gedruckt) übersetzt Bitner ebenfalls testamentarischen Stoff. Die lateinische Vorlage ist der Joseph des Jesuiten Cornelius Crocus, eine comoedia sacra, die ein christliches Gegenstück zu den römischen Komödien von Plautus und Terenz sein soll.
  • Mit den Menaechmi übersetzte er eine beliebte Komödie des römischen Dichters Plautus, deren Handlung sich um die Verwechslung zweier Zwillinge dreht. Plautus ist im 16. Jahrhundert Schulautor im Lateinunterricht und wird, genau wie Terenz, zahlreich ins Deutsche übersetzt. In seiner Vorrede setzt sich Bitner polemisch mit der auf Albrecht von Eybs Übersetzung basierenden Menaechmi-Bearbeitung von Hans Sachs auseinander, die für ihn zu weit vom lateinischen Text abweicht. Bitners Übersetzung wird 1570 bei Thiebold Berger in Straßburg gedruckt.

Literatur

  • Sven Limbeck: Plautus in der Knabenschule. Zur Eliminierung homosexueller Inhalte in deutschen Plautusübersetzungen der Frühen Neuzeit. In Dirck Linck et al. (Hrsg.): Erinnern und Wiederentdecken. Berlin. 1999, S. 15–67.
  • Sven Limbeck: Bitner, Jonas. In: Wilhelm Kühlmann et al. (Hrsg.): Frühe Neuzeit in Deutschland, 1520–1620: literaturwissenschaftliches Verfasserlexikon. Bd. 1. De Gruyter, Berlin und Boston 2011.
  • Anette Syndikus: Bitner, Jonas. In: Wilhelm Kühlmann (Hrsg.): Killy Literaturlexikon: Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraumes. 2. Aufl. Bd. 1. De Gruyter, Berlin und New York 2008.

Einzelnachweise

  1. Sven Limbeck: Bitner, Jonas. In: Wilhelm Kühlmann; Jan-Dirk Müller; Michael Schilling; Johann Anselm Steiger; Friedrich Vollhardt (Hrsg.): Frühe Neuzeit in Deutschland, 1520–1620: literaturwissenschaftliches Verfasserlexikon. Band 1. De Gruyter, Berlin; Boston 2011, ISBN 978-3-11-022391-0.
  2. Jonas Bitner: De grammatica, seu octo orationis partibus institutiones […] Wolfgang Köpfel, Straßburg 1550, S. a 2–3, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10185258-7.
  3. Jonas Bitner: De syntaxi et ratione coniungendarum vocum, dialogi duo […] Wolfgang Köpfel, Straßburg 1550, S. a 4–5, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10185259-7.
  4. Michael Hanstein: Caspar Brülow (1585–1627) und das Strassburger Akademietheater: Lutherische Konfessionalisierung und zeitgenössische Dramatik im akademischen und reichsstädtischen Umfeld (= Frühe Neuzeit. Band 185). De Gruyter, Berlin/Boston 2013, ISBN 978-3-11-032292-7, S. 25–31.
  5. Anette Syndikus: Bitner, Jonas. In: Wilhelm Kühlmann (Hrsg.): Killy Literaturlexikon: Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraumes. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Band 1. Walter de Gruyter, Berlin; New York 2008, ISBN 978-3-11-018962-9.